Termine 2024: Schopenhauer und die Freiheit

    Schopenhauer gilt in der Regel als Reaktionär, der sich hartnäckig allen fortschrittlichen Ansätzen verweigert hat. Dieses Bild entspricht einem gängigen Vorurteil, das leicht zu widerlegen ist, da er besonders im Bereich der Moral und der Ethik (Mitleidsethik, Tierethik, Umweltethik) Revolutionäres leistete. Auch für die Philosophie formulierte er ein „revolutionäres Prinzip“, das in Parallele zu den Romantikern den „Weg nach innen“ favorisierte und mit der preußischen Pflichtethik nichts zu tun haben wollte. Da er sich außerdem als erster Philosoph klar gegen die Sklaverei und auch gegen die Lohnsklaverei aussprach, scheint es an der Zeit zu sein, sein Verhältnis zur Freiheit neu zu prüfen. Damit ist sein Verhältnis zur Freiheit des Willens, zur Freiheit in der Politik, zur Freiheit der Kunst und zur Freiheit des Denkens gemeint, die mit den Bereichen Philosophie, Politik, Kunst und Weisheit zu tun haben. 

    Mit diesen Bereichen wollen wir uns in den Quartalen des Jahres 2024 beschäftigen. Zwei Fragen sind dabei leitend:

    1. Ist Freiheit ein „negativer Begriff“?
    2. Inwiefern ist Freiheit ein „Mysterium“, wie es das Motto der Schrift über die Freiheit des Willens von 1839 behauptet?

    Das Thema ist kein primär theoretisches, sondern es geht um den „Geschmack“ der Freiheit.

    • Q1 – Eine umfassende Kenntnis der Natur ist für Schopenhauer die Voraussetzung, um über die Freiheit des Willens sinnvoll sprechen zu können. Deshalb bezeichnet er die Schrift Über den Willen in der Natur als „Schlüssel“ zum Verständnis seiner Ethik. Welche Rolle spielt die Freiheit im Rahmen der Selbsterkenntnis des Willens?
    • Q2 – Die Schopenhauers waren republikanisch gesinnt und zogen 1793 nach Hamburg, um nicht preußisch regiert zu werden. Seine Jugend verbrachte Schopenhauer deshalb in der weltoffenen Handelsstadt Hamburg. Über Politik hat er sich immer wieder geäußert, nicht nur 1848. Das entsprechende Kapitel in der ersten Biographie wurde aber später ersatzlos gestrichen. Die Rolle des Staates sollte sich darauf beschränken, die ökonomische und politische Freiheit der Bürger zu garantieren.
    • Q3 – Im Zuge seiner enzyklopädischen Bildung befaßte sich Schopenhauer mit allen „schönen“ Künsten, deren  metaphyische Funktion“ er zu bestimmen versuchte. Ihr Zweck liege darin, die Einzelnen von der Zwangsherr-schaft des Willens zu befreien und ihnen aus dem Gefängnis des Egoismus zumindest kurzfristig herauszuhelfen.
    • Q4 – Die Freiheit der Gedanken war für Schopenhauer ein hohes Gut, wozu auch die Freiheit gehört, die Sprache, das Wissen und die Wissenschaften aufzubewahren. Daß aber Gedanken prinzipiell frei sind, bezweifelte er. Die meisten Gedanken sind es allein deshalb schon nicht, weil sie nicht dem höchsten Gut, der Wahrheit, unterstellt sind.

    Wie üblich stehen zunächst Sätze, Texte und für Schopenhauer bedeutsame Phänomene im Vordergrund, die in der 2. Sitzung des Quartals durch Rekurs auf größere Zusammenhänge erläutert werden, während in der 3. Sitzung aktuelle Themen zu behandeln sind.

    Termine und Themen:

    • Donnerstag, 25.01.2024 Versuch einer Begriffsbestimmung
    • Donnerstag, 29.02.2024 Die Metaphysik der Natur als „Schlüssel“
    • Donnerstag, 21.03.2024 Freiheit und Selbsterkenntnis
    • Donnerstag, 25.04.2024 Schopenhauer über die Revolution
    • Donnerstag, 30.05.2024 Der „unpolitische“ Philosoph
    • Donnerstag, 27.06.2024 Der Minimalstaat als Ziel der Geschichte
    • Donnerstag, 25.07.2024 Kunst macht frei, weil sie verwandelt
    • Donnerstag, 29.08.2024 Freiheit und Zensur
    • Donnerstag, 26.09.2024 Die Kunstfreiheit und der Kunstmarkt
    • Donnerstag, 31.10.2024 Was den Menschen ausmacht
    • Donnerstag, 28.11.2024 Geistergespräche
    • Donnerstag, 19.12.2024 Freiheit und Selbstbildung

    Der Jour-Fixe ist eine Veranstaltung der Ortsvereinigung Frankfurt a.M. der Schopenhauer-

    Gesellschaft e.V. Er findet in der Regel am letzten Donnerstag im Monat von 18.00 - 19.30

    Uhr im 1. Stock des Iimori-Hauses, Braubachstraße 24 (Nähe Römer), statt. Es handelt sich

    um einen offenen Kreis. Interessierte sind herzlich willkommen!

    Die Veranstaltung ist zugleich über das Internet zugänglich. Die Einwahldaten zur Teilnahme

    sind: Zoom Einwahldaten:

    Information bei Dr. Thomas Regehly, Bischofsheimer Weg 26 A, 63075 Offenbach (Tel. 069

    861590 bzw. 0151 19035 180 bzw. per Mail: thomas.regehly@t-online.de)